Die Ströbecker Schachtradition bewahren

Ein Interview mit der Engagementbotschafterin Renate Krosch

von John Palatini | Ausgabe 3-2019 | Bürgerschaftliches Engagement

Renate Krosch überreicht Prof. Bernd Reuter am 20.10.2018 für sein jahrelanges Engagement im Bereich Erforschung, Bewahrung und Vermittlung der Kulturlandschaften Sachsen-Anhalts die Grafik „Holzfäller” der Künstlerin Sarah Deibele. Foto: John Palatini

Sehr geehrte Frau Krosch, warum sollte man das Dorf Ströbeck, das als Ortsteil zu Halberstadt gehört, kennen?

Man sollte Ströbeck kennen, weil hier die Tradition des Schachspiels seit vielen Jahrhunderten lebendig ist: geschlechterübergreifend, international, inklusiv und generationenübergreifend. Seit 1990 nennt sich das Dorf deshalb auch Schachdorf Ströbeck.
Gäste sollten vor allem das Schachmuseum besuchen. Es vermittelt Wissen über die Kulturgeschichte des Schachspiels in Ströbeck und in der Welt. Darum ist es auch für Nichtschachspieler interessant und spannend.

Sie wohnen inzwischen in Halberstadt. Was verbindet sie mit Ströbeck?

In Ströbeck habe ich 69 Jahre gelebt. Von 1956 bis 1964 besuchte ich die Schule im Ort, an der ich nach meinem Studium 29 Jahre als Lehrerin für Mathematik und Physik gearbeitet habe. Das Dorf mit seinen Traditionen rund um das Schachspiel habe ich über all die Jahre selbst erlebt und gelebt.

Die Schachtradition ist inzwischen sogar als immaterielles Kulturerbe anerkannt. Was bedeutet das?

Mit der Aufnahme der Schachtradition in die nationale Liste „Immaterielles Kulturerbe“ wird vor allem die Arbeit der Ströbecker anerkannt, die zur Erhaltung und Bewahrung dieser Tradition in Vergangenheit und Gegenwart beigetragen haben. Es ist ein Ansporn, diese Arbeit auch zukünftig fortzusetzen.

Wie kamen Sie selbst zum Schachspiel und zur Beschäftigung mit der Schachtradition?

Seit der 5. Klasse hatte ich Schachunterricht in der Schule. Ich war Mitglied der Lebendschach-Gruppe, die ich später auch betreute. Als Studentin in Halle schaffte ich es zur Institutsmeisterin. Zurück in Ströbeck spielte ich als Teil einer Frauenmannschaft in der DDR-Liga.

Wie engagieren Sie sich konkret?

Als Mitglied im Ströbecker Schachverein unterstütze ich die Vorbereitung und Durchführung von Schachturnieren. Als Ehrenamtliche im Schachmuseum helfe ich mit, die Öffnungszeiten abzusichern. Ich begleite die Besucher durch das Museum. Auch als Dorfbilderklärerin bin ich tätig. Bei den Veranstaltungen der Vereinigung „Kulturelle Dörfer Europas“ habe ich mich mit Vorträgen beteiligt und internationale Gäste in unserem Haus beherbergt.

Sie setzen sich nicht nur für die Schachtradition ein, sondern sind auch als Ortschronistin aktiv und erforschen die regionale Geschichte. Inzwischen haben Sie auch mehrere Bücher veröffentlicht. Womit beschäftigen Sie sich genau?

Ortschronistin ist hier nicht der richtige Begriff. Wenn ich richtig informiert bin, muss man dazu berufen werden. Hobbyhistorikerin wäre wohl die bessere Bezeichnung, auch wegen meines Bachelorstudiums der Kulturwissenschaften mit Schwerpunkt Geschichte an der Fernuniversität Hagen. Das Studium befähigt mich, meine bisherige Tätigkeit zu hinterfragen und auf eine wissenschaftliche Grundlage zu stellen. Mein Ziel ist es, Dokumente und Informationen über die Schachtradition und die Geschichte Ströbecks einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen. Dazu recherchiere ich in Bibliotheken und Archiven und mit Hilfe des Internets. Diese Arbeit ist recht erfolgreich, interessant, spannend und spornt mich immer weiter an.

Die Fragen stellte John Palatini