Folklorewerkstatt in Wernigerode

von Kathrin Pöge-Alder | Ausgabe 2-2017 | Lebendiges Kulturerbe

Folklorewerkstatt Wernigerode – Werkstatt Akkordeon, © behnelux gestaltung
Folklorewerkstatt Wernigerode – Werkstatt Chorsingen, © behnelux gestaltung
Folklorewerkstatt Wernigerode – Werkstatt Zither, © behnelux gestaltung

Schon seit 1995 bietet das Zentrum HarzKultur in jedem Herbst die Folklorewerkstatt an. So heißt ein zweitägiges Seminar, zu dem sich an Harzer populärer traditioneller Musik Interessierte und in anderen Bereichen Engagierte sowie Übungsleiter treffen, die selbst Weiterbildungen und Kurse in den betreffenden Feldern anbieten. Seine Vorbilder hat die Folklore-Werkstatt bei den sogenannten Übungsleiterkursen, die das Zentrum Harzer Folklore vor 1990 durchführte.
Seit 2005 konnten so 794 Personen erreicht werden, darunter waren insgesamt 43 Kinder. Oftmals reisen Familien, zum Teil mit den Großeltern, gemeinsam an und verbringen das Wochenende in Wernigerodes Jugendherberge. Von anfänglich über 80 Teilnehmern hat sich die Zahl bei durchschnittlich 66 eingependelt. Beate Grüning als langjährige Mitarbeiterin im Kulturamt Wernigerode und im Zentrum HarzKultur ist auf der Seite der Organisatoren seit Anbeginn dabei.
Als eine Möglichkeit des gemeinsamen Praktizierens und Ausprobierens, des Übens und Kennenlernens lädt das Zentrum HarzKultur jährlich ein. Ein Einladungsflyer listet alle Kurse auf, für die sich die Teilnehmer_innen anmelden können. Im Jahr 2016 gehörten dazu Akkordeon und Gesangsbegleitung, Jodeln für Kinder und Erwachsene, das Birkenblattblasen, Jagdhorn blasen, Moderation und Programmgestaltung, Chorsingen, Tanz, Glockenspiel, Akkordzither spielen und Peitschenknallen. In früheren Jahren gab es das Angebot, Gesang mit der Gitarre zu begleiten, zu üben. Je nach Interesse der Teilnehmer werden Kursleiter verpflichtet. Zu ihnen gehörten Ute Bierotte, Wolfgang Schramm, Dr. Nicole Fröhlich, Heinz-Jürgen Hartmann, Bernfried Saatze, Marina Hayn, Erich Wach, Ellen Schrader und Udo Waskewitz. Viele Jahre war auch Hans-Joachim Wiesenmüller dabei. Die Übungszeiten sind am Sonnabend von 10 bis 12.30 Uhr und am Nachmittag zwischen 14 und 18 Uhr.
Menschen aus dem Ost-, West-, Nord- und Südharz sind zu Gast und es treffen unterschiedliche Erfahrungen aufeinander, die von den Kursleitern eingebunden werden müssen. Musikalisch finden sie zusammen.
Der Samstagabend hat eine besondere Qualität. Hier treffen sich alle im großen Speisesaal bei mitgebrachten Getränken und Knab­bereien und musizieren gemeinsam und tauschen sich aus. Es ist ein zwangloses Miteinander der Generationen und Kurse. Hier spielt sich spontanes Musizieren ab.
Der Sonntag bietet von 9 bis 11 Uhr nochmals Übungszeit. Im Anschluss daran führen alle Kurse ihre Ergebnisse den anderen Teilnehmern vor. Wer einen Einblick in die traditionelle Musik, in Gedichte, in die Harzer Mundarten oder das Peitschenknallen erleben möchte, ist herzlich eingeladen. Hier teilt sich nochmals die besondere Stimmung des Wochenendes mit: Jung und Alt musizieren gemeinsam und hören sich gegenseitig zu.
Dieses Wochenende bietet auch die Möglichkeit, Publikationen und CDs zum Thema anzubieten. Die Liederbücher von Ernst Kiehl, die so genannten Grünen Folklorehefte und beispielsweise die CDs von Hans-Wilhelm Vogt finden hier ihre Interessenten.
2014 nutzten die Töchter des Komponisten Georg Faulhaber (1890–1974), Helga Nieke und Gudrun Pierstorff, die Folklorewerkstatt, um die Handschrift des Harz-Oratoriums „Heilige Berge – Insel des Friedens“ ihres Vaters an das Archiv des Zentrums HarzKultur zu übergeben. Er hatte das Werk nach Kriegsende 1946–47 begonnen. Es umfasst 17 Sätze und eine Gesamtspielzeit von 130 Minuten. Solisten, Chor und Orchester preisen darin die Schönheit der Harzer Berge und Wälder.