Kultur für die Kleinen

Ein Gespräch mit Gudrun Schlotte, Engagemenbotschafterin Kultur des Landes Sachsen-Anhalt

Franziska Schories und Hannes Klapperstück | Ausgabe 2-2019 | Interview

Gudrun Schlotte, Engagementbotschafterin Kultur des Landes Sachsen-Anhalt; Foto: Franziska Schories

Als EngagementbotschafterInnen Kultur des Landes Sachsen-Anhalts werden seit 2013 BürgerInnen des Landes berufen, die im Kulturbereich ehrenamtlich tätig sind. Die Berufung ist eine Auszeichnung für ehrenamtliche Arbeit und zugleich selbst ein Ehrenamt. Die BotschafterInnen repräsentieren bei zahlreichen Anlässen das ehrenamtliche Engagement im Kulturbereich und stehen Politik und Verbänden beratend zur Seite. Im Jahr 2018 wurden erneut vier EngagementbotschafterInnen durch Staatsminister Rainer Robra berufen, darunter auch Gudrun Schlotte, Anwältin, die sich seit neun Jahren im Projekt „Max geht in die Oper“ der Bürgerstiftung Halle engagiert.

Frau Schlotte, kurz gesagt, worum geht es beim Projekt „Max geht in die Oper“?
Ziel ist es, Kinder an Kultur heranzuführen, die bisher wenig Kontakt damit hatten – sei es, weil ihre Familien einen Migrationshintergrund haben, oder weil es an positiven Vorbildern und schönen Erfahrungen mit Kulturausflügen mangelt.

Was waren Ihre persönlichen Beweggründe, sich bei dieser Initiative zu engagieren?
Als ich Rentnerin wurde habe ich eine ehrenamtliche Aufgabe gesucht. „Max geht in die Oper“ gefiel mir sofort wegen seiner Zielstellung und so habe ich das Projekt mit aus der Taufe gehoben. Ich finde es schön, Kindern eine Freude zu machen und mit ihnen gemeinsam Spaß zu haben. Eigentlich ist die ehrenamtliche Arbeit ein Geben und Nehmen. Auch für mich sind es tolle Erlebnisse, wenn wir ins Landesmuseum für Vorgeschichte gehen und dort die Himmelsscheibe kindgerecht erklärt bekommen oder wenn wir mit Kindern, die sich sonst manchmal nicht so lange konzentrieren können, in das Musical „Annie“ gehen und sie auf einmal begeistert zwei Stunden zuschauen.

Was bedeutet für Sie ehrenamtliche Arbeit?
Ich sage immer, ich bin nicht Mutter Theresa – man tut den Kindern etwas Gutes und lernt selbst noch viel dabei. Kindern etwas näher zu bringen und selbst Freude daran zu haben, das macht soziokulturelles Engagement für mich aus. Außerdem besteht zwischen den Kulturpaten ein ständiger Austausch. Dadurch, dass die Paten überwiegend Studenten sind komme ich unter junge Leute und kann da viel dazulernen.

Wie werden die Kinder für Patenschaften von “Max geht in die Oper” gewonnen?
Die Bürgerstiftung arbeitet dazu seit vielen Jahren mit Sozialarbeitern und Erziehern in Schulen, Horten und Kinderheimen auf der Silberhöhe, in Halles Osten und in Halle Neustadt zusammen. Diese sind wichtige Vertrauenspersonen. Sie schlagen Kinder für die Teilnahme vor, die besonders von einer Patenschaft profitieren würden. Außerdem helfen sie bei der Kontaktaufnahme zu den Kindern und ihren Eltern und sorgen für die Informationsweitergabe bei den Kulturausflügen.

Was ist Ihr Anliegen für die Zukunft des Projekts?
Das Organisatorische hat sich in all den Jahren gut eingespielt. Die Stadt Halle fördert die Patenschaften über den Fachbereich Bildung als Teil ihrer Jugendhilfe. Das ist eine gute, langfristige Grundlage für das Projekt. Wir brauchen aber stets zusätzliche Mittel, um z.B. die Kulturtagebücher, Straßenbahntickets und Eintrittskarten zu finanzieren. Da freuen wir uns immer über Spenden der Bürgerinnen und Bürger der Stadt Halle.

Die Fragen stellten Franziska Schories und Hannes Klapperstück.